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Braucht man in Zeiten von KI noch eine Google-Ads-Betreuung?

Von Stephan Wolff, CuraWeb · veröffentlicht am · Lesezeit: 10 Min.

Google übernimmt immer mehr Aufgaben im Werbekonto. Trotzdem sehe ich in meinen Nischenkonten, dass mehr Automatik häufig zusätzliche Klicks erzeugt, aber keine passenden Kundenanfragen. Warum ich deshalb weiter genau hinsehe.

Eine Person schreibt an einer großen Tafel voller mathematischer Formeln und chemischer Strukturzeichnungen.
Viele Daten brauchen eine fundierte Einordnung – auch bei automatisierten Google-Ads-Kampagnen. Foto von Vitaly Gariev auf Unsplash.

Wofür braucht es überhaupt noch eine Betreuung?

Wer monatlich für eine Google-Ads-Betreuung bezahlt, darf fragen, welche Arbeit dahintersteckt. Erst recht, wenn Google immer mehr davon automatisch erledigt. Gebote werden angepasst, Anzeigen kombiniert und zusätzliche Suchanfragen erschlossen. Was früher Zeit gekostet hat, übernimmt heute zum Teil die Plattform.

Die Frage nach dem Nutzen ist deshalb berechtigt. „Wir optimieren Ihre Kampagnen“ ist darauf keine Antwort, und ein automatisch erstellter Bericht auch nicht.

Ich betreue viele Nischenkonten und arbeite selbst mit KI. Gerade in diesen Konten sehe ich sehr konkret, wo die Automatik am Geschäft vorbeiarbeitet: Vorschläge passen sprachlich zum Angebot, führen aber zu Menschen, die etwas völlig anderes suchen. Bekommt Google dort mehr freie Hand, wird Budget ausgegeben, ohne dass die gewünschten Kundenanfragen entstehen.

Das ist keine Absage an automatisierte Werbung. Aber es ist ein guter Grund, ihre Ergebnisse zu prüfen.

Was Google inzwischen selbst übernimmt

Unter dem Begriff KI werden in Google Ads unterschiedliche Funktionen zusammengefasst. Eine kurze Unterscheidung lohnt sich, weil nicht jede Automatik dieselbe Aufgabe erfüllt.

  • Smart Bidding: Automatische Gebotsstrategien optimieren Gebote auf Conversions oder deren Wert. Eine Conversion ist eine zuvor festgelegte, gemessene Handlung, beispielsweise eine abgesendete Anfrage.
  • Performance Max: Dieser Kampagnentyp kann Anzeigen über mehrere Google-Kanäle ausspielen, etwa in der Suche, auf YouTube und im Displaynetzwerk. Die Auslieferung wird anhand der vorgegebenen Ziele optimiert.
  • AI Max für Suchkampagnen: Zusätzliche KI-Funktionen innerhalb von Suchkampagnen. Je nach Einstellung erweitern sie die Zuordnung zu Suchanfragen, passen Texte an oder wählen Zielseiten aus.

Google beschreibt die Funktionen in seiner Hilfe zu Performance Max und der technischen Dokumentation zu AI Max. Mehr zu AI Max in der Praxis lesen Sie in unserem Leitfaden zu AI Max. Welche Funktionen im einzelnen Konto sinnvoll sind und wie viel Spielraum sie bekommen, muss sich an den Ergebnissen messen lassen. Dass Google eine Funktion empfiehlt, beantwortet diese Frage nicht. Bezahlt wird die Werbung für ein geschäftliches Ergebnis, nicht für möglichst viele aktivierte Funktionen.

Was ich in Nischenkonten beobachte

In mehreren von mir betreuten Nischenkonten sehe ich ein wiederkehrendes Problem: Mit mehr automatischem Spielraum entstehen Klicks auf Suchanfragen, die ich für das jeweilige Angebot nicht wählen würde. Die Verbindung zum Thema ist häufig erkennbar. Die Verbindung zur gewünschten Kundschaft fehlt.

Dazu kommt eine Ansprache, die am eigentlichen Angebot vorbeigeht. Ein spezialisierter Dienstleister hat sehr genaue Vorstellungen davon, welche Aufträge er übernehmen möchte. Wird das in der Werbung zu weit gefasst, reagieren andere Menschen als die, die das Unternehmen erreichen will.

Das Ergebnis ist in den betroffenen Konten deutlich: Budget wird verbraucht, Klicks kommen hinzu, die gewünschten Conversions bleiben aus. Es geht dabei nicht nur um Kontakte, die später nicht zum Auftrag werden. Teilweise entsteht schon die Kundenanfrage nicht.

Gerade bei einem eng umrissenen Angebot ist dieser Unterschied entscheidend. Mehr Freiheit für die Automatik verbessert diese Konten nicht automatisch. Für den Kunden zählt, was im eigenen Konto mit dem eigenen Budget passiert, nicht, ob eine Funktion anderswo gute Ergebnisse erzielt.

Thematisch passend heißt noch lange nicht kaufbereit

Ein Begriff kann sehr gut zu einer Dienstleistung passen und trotzdem die falschen Menschen anziehen. Wer eine Leistung beauftragen möchte, nutzt oft dieselben Wörter wie jemand, der in diesem Bereich arbeiten will, es selbst machen möchte oder nur nach Informationen sucht.

Zwei typische Muster, wie sie in vielen Branchen vorkommen. Die Beispiele dienen der Veranschaulichung und stammen nicht aus Kundenkonten:

  • Steuerkanzlei sucht Mandanten: Die Erweiterung bringt Klicks auf „steuerberater ausbildung“ oder „steuerfachangestellte gehalt“. Das sind Menschen, die in diesem Beruf arbeiten wollen, keine Mandanten.
  • Malerbetrieb sucht Aufträge: Gesucht wird „wand streichen anleitung“ oder „decke streichen ohne streifen“. Hier geht es um die eigene Ausführung, nicht um die Suche nach einem Malerbetrieb.

Beide Suchen passen zum Thema, aber nicht zum Angebot. An der Zahl zusätzlicher Klicks lässt sich das nicht erkennen, nur an den tatsächlichen Suchanfragen.

Natürlich kann eine informative Suche später zu einem Auftrag führen. Bei einem begrenzten Budget und einem eng umrissenen Angebot muss sich eine Erweiterung aber rechtfertigen lassen. Kostet sie Geld und bringt keine passenden Anfragen, wird sie zurückgenommen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Erreichen wir Menschen, deren Bedarf zu dem passt, was das Unternehmen anbietet? Dafür braucht es Kenntnis des Geschäfts und Rückmeldungen aus dem Unternehmen, nicht nur die Besucherzahl.

Warum Empfehlungen und Vergleiche geprüft werden müssen

Auch bei Googles Vorschlägen für zusätzliche Keywords sehe ich Begriffe, die ich für das jeweilige Konto nicht auswählen würde. Manche sind zu allgemein, andere legen eine Zielgruppe oder einen Bedarf nahe, der nicht zum Angebot gehört. Der Vorschlag kann sprachlich nachvollziehbar sein und wirtschaftlich trotzdem danebenliegen.

Ähnlich geht es mir mit Vergleichsgruppen und Wettbewerbsvergleichen, die Google anzeigt. Aus meiner Kenntnis der Unternehmen passen die herangezogenen Anbieter teilweise nicht zu deren tatsächlicher Spezialisierung. Wer nach außen ähnliche Leistungen beschreibt, bedient noch lange nicht denselben Markt. Das sagt nichts darüber, wie Google jede einzelne Auslieferung entscheidet. Es ist aber ein Grund, solche Vergleiche nicht ungeprüft als Entscheidungsgrundlage zu nehmen.

Für eine Betreuung heißt das: Ein Vorschlag muss zum konkreten Konto passen, und er muss sich begründet ablehnen lassen. Wer jede Plattformempfehlung übernimmt, prüft nichts. Warum pauschale Empfehlungen gerade bei spezialisierten Unternehmen problematisch sind, beschreibe ich auch im Artikel darüber, woran Sie ein gutes Google Ads Audit erkennen.

Wenig Daten machen die Beurteilung schwieriger

In einer engen Nische entstehen weniger qualifizierte Anfragen als in einem breiten Markt. Das macht die Bewertung von Veränderungen schwieriger. Einzelne Anfragen können einen kurzen Auswertungszeitraum stark beeinflussen, und zwischen Klick, Kontakt und Auftrag können Wochen liegen.

Die pauschale Aussage, dass automatische Gebotsstrategien mit wenigen eigenen Daten grundsätzlich nicht funktionieren, wäre trotzdem zu weitgehend. Google erklärt, dass seine Modelle auch bei wenigen oder fehlenden eigenen Conversion-Daten Informationen auf Suchanfragenebene außerhalb der jeweiligen Gebotsstrategie nutzen können. Nachzulesen ist das in der Erklärung zu maschinellem Lernen und Gebotsalgorithmen. Ob die Automatik im konkreten Nischenkonto wirtschaftlich arbeitet, beantwortet das aber nicht. Das zeigt nur die tatsächliche Entwicklung im Konto.

Unbegrenzt auf weiteres Lernen zu warten, hilft ebenfalls nicht. Ein Unternehmen muss entscheiden können, welches Budget und welche Laufzeit ein Test bekommt und woran er gemessen wird.

Bevor eine ausbleibende Conversion als Misserfolg gilt, muss außerdem klar sein, dass die Messung funktioniert. Ein technischer Fehler kann Anfragen unsichtbar machen. Umgekehrt kann eine großzügige Messung Erfolge ausweisen, die geschäftlich wenig bedeuten. Die Grundlage dafür erläutert unser Beitrag zum Google-Ads-Tracking.

Worauf wir in der Betreuung achten

In der Betreuung prüfen wir, ob die erreichte Nachfrage zum Angebot passt, welche Anfragen tatsächlich entstehen und welche Veränderungen wirtschaftlich sinnvoll sind. Empfehlungen werden dabei an den Ergebnissen des jeweiligen Kontos gemessen. Konkret heißt das:

  • Wir sehen uns regelmäßig die tatsächlichen Suchanfragen an, nicht nur die gebuchten Keywords.
  • Als Erfolg zählt, was für das Unternehmen eine echte Anfrage ist, nicht jeder Klick.
  • Neue automatische Funktionen bekommen einen begrenzten Rahmen. Auch eine zunächst plausible Erweiterung wird zurückgenommen, wenn sie sich nicht bewährt.
  • Rückmeldungen aus dem Unternehmen zur Qualität der Anfragen fließen in die Steuerung ein.

Bei dieser Arbeit hilft KI. Ersetzen kann sie sie nicht.

Wie ich selbst mit KI arbeite

Ich nutze KI selbst bei der Auswertung von Kampagnendaten. Sie hilft mir, Daten zu strukturieren, Auffälligkeiten herauszuarbeiten und mögliche Erklärungen zu prüfen. Gerade wenn mehrere Konten betreut werden, unterstützt das die Analyse sinnvoll.

Die Ergebnisse müssen trotzdem an den Kontodaten und am tatsächlichen Angebot geprüft werden. Auch eine KI-Auswertung kann eine überzeugend klingende Empfehlung liefern, die im einzelnen Fall nicht passt. Übersieht sie denselben Branchenkontext wie eine Plattformempfehlung, wird die Entscheidung dadurch nicht besser.

Für mich ist das kein Widerspruch. Ich setze KI ein und stelle gleichzeitig fest, dass bestimmte automatische Erweiterungen in bestimmten Konten nicht funktionieren. Ich muss nicht jede Zahl von Hand sortieren. Aber ich trage die Verantwortung für die Schlussfolgerungen. Dazu gehört, einen plausiblen Vorschlag zu verwerfen, wenn er den Ergebnissen im Konto nicht standhält.

Woran Sie den Wert einer Betreuung erkennen

Wenn Google mehr operative Aufgaben übernimmt, muss eine Betreuung ihren Nutzen konkreter erklären können. Die Zahl der manuellen Änderungen sagt wenig über die Qualität der Arbeit. Ständige Eingriffe können genauso unbegründet sein wie das ungeprüfte Übernehmen jeder Empfehlung.

Bei einer laufenden Google-Ads-Betreuung sollten Sie nachvollziehen können, wie die Arbeit mit Ihrem Geschäftsziel zusammenhängt. Besonders aufschlussreich sind diese Fragen:

  • Passt die erreichte Nachfrage? Werden Menschen angesprochen, die Ihre Leistung tatsächlich beauftragen können und möchten?
  • Was wird als Erfolg gezählt? Sind die gemessenen Handlungen für Ihre Kundengewinnung relevant und technisch zuverlässig erfasst?
  • Wie werden Empfehlungen beurteilt? Gibt es einen konkreten Grund, einen Vorschlag anzunehmen oder abzulehnen?
  • Wie werden Ergebnisse eingeordnet? Werden Kosten, Anfragequalität und die Zeit bis zum Abschluss berücksichtigt?
  • Was wurde aus Tests gelernt? Ist nachvollziehbar, welche Veränderungen geholfen haben und welche nicht?

Sie müssen dafür nicht jedes technische Detail kennen. Die betreuende Person sollte aber erklären können, warum sie eine Entscheidung trifft. Auch „Das lässt sich noch nicht belastbar sagen“ ist eine gute Antwort, wenn klar ist, was für die Beurteilung noch fehlt.

Ein Monatsbericht mit mehr Klicks beantwortet diese Fragen nicht. Wenn Ihr Ziel passende Kundenanfragen sind, muss sich die Besprechung darum drehen. Was eine Betreuung kostet und was im Monat dazugehört, zeigt unser Ratgeber Google Ads Kosten 2026.

Wann Sie Ihr Konto selbst betreuen können

Nicht jedes Unternehmen braucht eine externe Betreuung. Wer ein überschaubares Angebot hat, sein Konto fachlich beurteilen kann und regelmäßig Zeit dafür aufbringt, kann Google Ads selbst betreuen. Die automatischen Funktionen nehmen dabei Arbeit ab.

Die Verantwortung bleibt dann im Unternehmen. Jemand muss kontrollieren, ob die Werbung die richtigen Menschen erreicht, die Messung funktioniert und aus den Ausgaben brauchbare Ergebnisse entstehen.

Bei spezialisierten Angeboten und schwer einzuordnenden Suchabsichten ist diese Aufgabe anspruchsvoll. Dann entscheidet sich der Wert einer Betreuung daran, wie gut sie genau diese Besonderheiten versteht.

Umgekehrt muss sich auch eine beauftragte Betreuung hinterfragen lassen. Wenn sie hauptsächlich Empfehlungen weiterreicht und Berichte verschickt, ist die Frage nach ihrem Nutzen berechtigt. Der Einsatz von KI entbindet niemanden davon, die eigene Arbeit erklären zu können.

Braucht man in Zeiten von KI noch eine Google-Ads-Betreuung? In den Nischenkonten, von denen ich hier spreche, ja. Zusätzlicher automatischer Spielraum hat dort Klicks und Kosten gebracht, ohne die gewünschten Kundenanfragen zu liefern.

Ich arbeite mit KI und nutze ihre Möglichkeiten. Welche Entscheidungen ich für ein Kundenkonto treffe, muss ich trotzdem am Angebot und an den tatsächlichen Ergebnissen begründen können. Daran sollte sich jede Betreuung messen lassen.

Häufige Fragen zu Google Ads, KI und Betreuung

Kann Google Ads mit KI ohne Betreuung funktionieren?
Ja, je nach Angebot, Datenbasis und eigener Erfahrung kann das funktionieren. Automatisierung ersetzt aber nicht die Prüfung, ob passende Kundenanfragen entstehen und die Werbung wirtschaftlich ist. Wer sein Konto selbst betreut, übernimmt diese Verantwortung selbst.
Funktioniert Smart Bidding in kleinen Nischenkonten grundsätzlich nicht?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Google kann auch bei wenigen eigenen Conversions weitere Signale für seine Gebotsmodelle nutzen. Wenige qualifizierte Anfragen erschweren jedoch die Bewertung. In mehreren von mir betreuten Nischenkonten führen größere automatische Spielräume zu unpassenden Klicks, ohne die gewünschten Conversions zu liefern. Deshalb bekommen Erweiterungen dort nur einen begrenzten Rahmen.
Sind mehr Klicks ein Zeichen für bessere Kampagnen?
Mehr Klicks zeigen zunächst nur, dass mehr Menschen auf die Anzeigen reagieren. Ob die Kampagne besser arbeitet, hängt von ihrem Ziel ab. Bei der Kundengewinnung zählen passende Anfragen, daraus entstehende Aufträge und die Kosten dafür. Auch der Zeitraum bis zur Anfrage oder zum Abschluss muss berücksichtigt werden.
Wofür bezahlt man eine Google-Ads-Betreuung, wenn vieles automatisch läuft?
Für die fachliche und wirtschaftliche Beurteilung des Kontos: Passt die erreichte Nachfrage zum Angebot? Wird das richtige Ziel gemessen? Welche Empfehlungen sind sinnvoll? Welche Veränderungen helfen tatsächlich? Eine Betreuung sollte solche Entscheidungen und deren Grundlage nachvollziehbar erklären können.

Klicks sind da, passende Anfragen fehlen?

Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir Ihr Angebot, Ihre bisherige Werbung und die Fragen zu Ihrem Konto. Anschließend klären wir, ob eine separat beauftragte Kontoanalyse oder eine laufende Betreuung sinnvoll ist. Für die erste Anfrage benötigen wir keine Zugangsdaten.

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